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Verkehsrowdy

Der Tag fing schon scheiße an, Ich war unausgeschlafen, Die Kinder haben nicht mitgespielt und auf der ollen Arbeit war dann auch noch so viel los,

dass ich fast nicht pünktlich raus kam. Ich schaffe es so grade eben die Kinder pünktlich abzuholen, jetzt müssen wir nochmal eben Mittagessen einkaufen, weil ich das natürlich auch nicht vorher auf die Reihe gekriegt hab. Als wir die kurze Zufahrtsstraße zum Supermarkt-Parkplatz langfahren, kommt ein schwarzer Kombi aus der Einfahrt, der Spacken eiert rum, da hupe ich vorsichtshalber schon mal, Abrupt bleibt er stehen,

seine Motorhaube ragt trotzdem viel zu weit auf die Straße,

mit auswärtigem Kennzeichen auch noch, kurzerhand stelle ich mich vor ihn und fange an zu schimpfen. Da guckt der auch noch völlig neutral

und will mich mit einer freundlichen Handbewegung passieren lassen, Seine Beifahrerin lächelt auch noch nett und beide bleiben völlig ruhig, Als ich fertig bin mit schimpfen fahre ich die Straße weiter entlang, Natrülich extra langsam, nix passiert die fahren einfach ruhig hinter mir her, Bei der übernächsten Stichstraße drehe ich im großen Bogen um und recke nochmal meine Mittelfinger aus dem Fenster.


Mit meinen beiden Mädels besorge ich jetzt noch schnell das Mittagessen und dann geht’s nach Hause, Die beiden blieben auffällig ruhig,

ist aber auch mal schön, Der Nachmittag ist dadurch ganz ok. Abends kotze ich mich nochmal ordentlich über diesen Touri-Spacken aus, Erzähle was passiert ist und wie ich den schön zur Sau gemacht hab, das aber leider die Fenster nicht unten waren, … bis mein Mann mich fragt ob unsere Kinder da schon mit im Auto saßen. Ich stutze kurz, völlig entsetzt nicke ich! Mist, waren sie darum so ruhig?


Ich hätte echt nochmal mit ihnen darüber sprechen sollen. Aber was genau war überhaupt passiert?

Der Typ hat das bestimmt nicht böswillig gemacht, Er war ja nicht von hier und wusste vielleicht nicht so genau wo er hin muss Ich glaube die hatten auch Kinder im Auto,

hoffentlich konnte man mich wirklich nicht hören, Ich bin da ja auch schon oft rausgefahren und hab mich geärgert das man so blöd gucken kann wegen der Hecke. Der Tag war aber auch echt blöd, Wenn ich ehrlich bin hat der Typ einfach nur die Entladung meiner Unzufriedenheit abbekommen, Ich sollte mich echt mal um mich kümmern, als die Kinder klein waren hab ich mir doch vorgenommen sie zu toleranten und freundlichen Menschen zu erziehen, Das hab ich heute ja nun mal so garnicht vorgelebt. Am besten gehen wir morgen Nachmittag mal ein Eis essen und ich spreche mit ihnen über heute.


Ich gucke meinen Mann an, "Es kann so nicht weitergehen, ich bin meinen Kindern echt ein schlechtes Vorbild, ich hörte mich vorhin an wie meine Mutter früher." Er nickt, gibt mir einen Kuss und reicht mir die Fernbedienung ... ***

Die beschriebene Verkehrssituation (in Fettschrift) hat sich ziemlich genau so zugetragen, die Geschichte drum herum ist frei erfunden und hat sich vermutlich so nicht ereignet. Der Spacken im schwarzen Kombi ist mein Mann, ich sitze auf dem Beifahrersitz und die Kinder hinten, wir waren dort im Urlaub und uns tatsächlich unsicher wohin wir abbiegen wollen, darum haben wir nochmal gebremst.


Klar ist das wir ihr die Vorfahrt genommen hätten, unklar ist woher sie so schnell kam und wohin sie eigentlich wollte. Ist aber ja nun auch egal, es sind alle heile geblieben - zumindest physisch. Während die Fahrerin wild und wütend gepöbelt hat, schaute ihre Tochter hinten aus dem Fenster und beobachtet alles. Beim Anblick dieser Szene wurde mir nochmal verdeutlicht, wie unsere Kinder sich den Umgang mit der Welt abschauen können und wie viel Einfluss wie darauf haben was sie über andere Menschen denken. Für unsere Kinder sind wir erstmal der Maßstab,

so wie unsere Eltern, Vorbilder oder engen Bezugspersonen für uns.

Später kann sich das ändern, denn wir können uns ändern, auch wenn unsere Vergangenheit, unser Elternhaus uns geprägt hat, jetzt und heute kann ich entscheiden wie ich mich verhalte und was für ein Maßstab ich sein möchte.


Manchmal muss man intensiver an den eingefahren Verhaltsweisen arbeiten, aber die alten Muster lassen sich immer lösen und neu gestalten.


Wie redest du vor deinen Kindern über andere?

Erschreckst du dich auch manchmal wenn du dich wie deine Eltern anhörst?


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